Städtebau

Wir wollen weniger Verkehr in Herrenberg!

Städtebau

Städtebau und der Zusammenhang mit der Verkehrslösung für das Park- und Geschäftshaus an der Hindenburgstraße

 

Das geplante Grundstück für das Park- und Geschäftshaus befindet sich derzeit laut Flächennutzungsplan und B-Plan auf einer Gemeinbedarfsfläche und ist derzeit nur durch eine Änderung dieser planungsrechtlichen Festsetzungen für dieses Vorhaben genehmigungsfähig.

Diese Festsetzungen nicht zu ändern und das Grundstück der Gemeinde nicht an einen privaten Investor zu veräußern, ist das Ziel der Bürgerinitiative. Mit einer Änderung würde die derzeitige Grünfläche mit altem Baumbestand an der verkehrsreichen Straße für immer verschwinden. Im hinteren Bereich befindet sich die Albert-Schweitzer-Schule, die durch diese Maßnahme nicht nur in der Entwicklung eingegrenzt wird, sondern der auch ein Teil des Pausenhofes weggenommen wird. Derzeit sieht der Flächennutzungsplan vor, maximal 60% der gesamten Fläche für schulische Gebäude zu bebauen. Der Rest der Fläche ist als Freifläche vorgesehen. Aktuell sind ca. 34% der Fläche mit der Albert-Schweitzer-Schule und der Turnhalle überbaut.

Städtebaulichen Folgen in Zusammenhang mit dieser Maßnahme


Alle geplanten Maßnahmen zur Stadtentwicklung müssen in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Insbesondere das Seeländer Areal, BayWa Gelände, ehemaliges Stabi Gelände sowie auch das geplante Park- und Geschäftshaus an der Hindenburgstraße (ehemalige Gartenstraße) führen zu einer sehr umfangreiche Städtebaumaßnahme außerhalb der historischen Kernstadt und stehen zu dieser in unmittelbarer Konkurrenz. Jeder Euro, der außerhalb der Altstadt investiert wird, geht dieser Altstadt verloren.

Die Kritik der Bürgerinitiative richtet sich nicht grundsätzlich gegen Investitionen dieser Art. Aber es ist zu befürchten, dass damit einer Entwicklung außerhalb der Altstadt Vorschub geleistet wird, die zu einer weiteren Verschlechterung der baulichen und wirtschaftlichen Situation der historischen Altstadt führen wird. Auch wenn behauptet wird, dass das geplante Vorhaben der Altstadt dienen soll, wird das Parkhaus an dieser Stelle der bedauerlichen Situation des Ladensterbens und dem teilweisen Untergang der Bausubstanz nicht entgegenwirken können. Das geplante Geschäftshaus ist an dieser Stelle ebenfalls kontraproduktiv.

Herrenberg hat die Altstadtsatzung zum Schutz für den Einzelhandel. Investitionen dieser Art müssen in der Altstadt getätigt werden, um diese wieder zu beleben.

Natürlich dient ein autofreier Graben der Aufenthaltsqualität und Steigerung der Attraktivität der Altstadt. Aber das kann auch mit anderen Standorten für ein Parkhaus verwirklicht werden. Anscheinend fehlt den Gemeindeverantwortlichen der Mut, der Glaube und die Motivation, der schon bestehenden negativen Entwicklung in der Altstadt mit geeigneten Mitteln entgegen zu wirken.


Ein sehr gutes Beispiel ist Überlingen am Bodensee. Dort wurde im Juli 2016 eine Umnutzung der bislang öffentlichen Parkplätze in der Innenstad beschlossen. Stattdessen gibt es drei Parkhäuser am Rand der Altstadt mit Entfernungen zwischen 300 und 500 Metern zu dessen  Zentrum (Beschluss, Parkübersicht).

Keine offiziellen Zahlen für den Parkplatzbedarf


Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es für den Parkplatzbedarf lediglich unvollständige offiziellen Zahlen gibt. Zudem geben sie keinen Aufschluss darüber, wer wann und wo Parkplätze benötigt.

In den öffentlichen Ratsunterlagen des Technischen Ausschusses vom 2.4.2019 zum Thema IMEP wird behauptet, dass Herrenberg mit 1300 öffentlichen Parkplätzen (exkl. Park&Ride) mit den anderen Städten Horb (1000), Calw (1100) und Nagold (1500) gleichauf liegt. Bei dieser Aussage darf man durchaus die Bewertungskriterien der Stadtplaner von Brenner Bernard in Frage stellen. In Nagold beinhalten die 1500 innerstädtischen Parkplätze auch die rund 720 Parkplätze weit außerhalb der Innenstadt mit einer Wegstrecke von mehr als 600 Metern. Wenn dem so ist, müssen bei den Herrenberger innerstädtischen Parkplätzen auch die 340 Parkmöglichkeiten am Krankenhaus und im Längenholz mit berücksichtig werden. Dann wäre Herrenberg im Vergleich zu den anderen Städten mit mehr als 1600 Parkplätzen deutlich besser

Belegungsauswertung Brenner Bernard (Quelle). Zum vergrößern einfach drauf klicken.

gestellt. Zudem verfügt Herrenberg gegenüber Nagold über deutlich mehr sehr zentrumsnahe Stellplätze im Radius von 200 Metern (Herrenberg 600, Nagold 200). Daher sollte man solche Zahlen nicht nur quantitativ bewerten, sondern auch qualitativ, um sie miteinander vergleichen zu können.

Ebenso ist das in den Ratsunterlagen aufgeführte Resultat der Belegungsauswertung nicht nachvollziehbar. In den Unterlagen ist zu lesen: „Die Begehungen und Auswertungen der Daten der Parkhäuser (ohne Nufringer Tor, da Datenerfassung außer Betrieb) ergaben für 964 Stellplätze die höchste Auslastung um 11 Uhr. 93% der ebenerdigen und 85% der Stellplätze in den Parkhäusern Bronntor und  Altstadtgarage waren zu dieser Zeit belegt. Es gab nur geringe Reserven.

Haben wir nicht gerade gelernt, dass Herrenberg 1300 öffentliche Parkplätze hat (ohne Längenholz und Park&Ride)? Jetzt sind es bei einer solch wichtigen Auswertung plötzlich 964. Brenner Bernard traut sich in der Tat zu, Zahlen zu liefern, die später als Grundlage richtungsweisender Entscheidungen dienen sollen, ohne das Nufringer Tor mit immerhin 242 zentrumsnahen Parkplätzen zu berücksichtigen? Zudem wird hier die Bahnhofsstraße mitbewertet, die mit einer ganztägigen 100% Belegung zu Buche schlägt. Ist das nicht vielleicht eine Folge der knappen Park&Ride Parkplätze, für die derzeit eine Aufstockung des Parkhauses diskutiert wird?

Beschrieben wird auch, dass der Graben und Hasenplatz bis 100% belegt war. Aber was ist denn mit den anderen Parkbereichen (Bronntor, Volksbank, Gültsteiner Straße und Altstadtgarage)? Dass dort über den Tag verteilt freie Kapazitäten verfügbar sind, wird nicht erwähnt. Also bevorzugt der Parkplatzsuchende den Graben, nimmt Wartezeit im Gedränge in Kauf, statt ein paar Meter mehr zu laufen.

Eine solche Bewertung suggeriert natürlich, dass es in Herrenberg zu wenige Parkplätze gibt. Wenn aber solche Auswertungen als Grundlage für Entscheidungen heran gezogen werden sollen, müssen die dazugehörigen Daten vollständig sein.

Bisher findet keine Analyse statt, in der erhoben und planerisch ermittelt wird, für welche Nutzer (Anwohner, Beschäftigte und Besucher/Kunden) überhaupt ein Parkplatz benötigt wird. Nur mit diesen Zahlen, die auch zukünftige Veränderungen dieser Bedürfnisse berücksichtigen müssen, wäre eine sinnvolle Planung der Parkierungen möglich. Anders nicht!

Bei der Passanten Befragung Ende September 2018 (vorgestellt am 1. April 2019 im Verwaltungsausschuss) wurde die Parksituation von den 400 Befragten an zwei Tagen als "schlecht" bewertet. Aber hat denn jemand gefragt warum? War es vielleicht das Tarifsystem? Die fehlende Info über freie Parkplätze? Oder andere Gründe? Um nachhaltige Stadtentwicklung zu betreiben, bedarf es einer vollständigen, quantitativen aber auch qualitativen Datenerhebung. Nur so können die richtigen Maßnahmen getroffen werden.

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Bürgerinitiative gegen das geplante Parkhaus und Geschäftshaus in der Hindenburgstraße in Herrenberg